Eine Frau, das Meer und kein Hund

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Als ich erwachte, lachte mir das Gelb den Sonnentag ins Gesicht. Strandzeit. Endlich. Und mit jedem Schritt in Richtung blaue Weite entdecke ich Unsichtbares und am Himmel Wolkenbuchstaben, die sagen: Das erste Mal ohne Schwanzwendeln.

Der Weg legt sich zu leicht vor meine Füße, ohne Halt an Gebüschen und Laternen. Ohne freudiges Tänzeln am anderen Ende der Leine. Und die Öffnung des Tütenspender läßt ihre Mundwinkel nach unten hängen. Gibt den Blick frei auf das schwarze Innenleben, das ich jetzt nicht mehr brauche. Der hölzernen Pfad über die Düne klingt anders heute und ich fühle jeden Schritt aus mir selbst heraus, weil nichts an mir zieht. Das Meer lacht mich mit blauen Segeln an und der Platz neben dem Strandkorb bleibt leer.

Wie gern würde ich Dein samtiges Apricot noch einmal in der Sonne leuchten sehen. Das Wackeln des Strandkorbes spüren, wenn Deine Leine daran zerrt. Wie gern würde ich Dich noch einmal in großen Sätzen über das Beachvolleyballfeld springen sehen, weil Du in der Ferne einen Freund entdeckst. Wie gern würde ich Dir noch einmal über Deinen zarten Rücken streichen und mit einem Schmunzeln auf Deine Hinterpfoten sehen, die Du so gern wie ein Frosch von Dir streckst. Wie gern würde ich mein Gesicht noch einmal in Dein Fell vergraben und das leichte Auf und Ab Deines Atmens spüren. Du fehlst mir! Nicht immer, aber ganz besonders in diesem Moment. Wir waren immer zu dritt…Du, das Meer und ich.

 

Über die Autorin

Claudia C. Pautz

Ich lebe und arbeite auf Usedom. Aus meiner Feder stammen neben den hier veröffentlichten Beiträgen auch die Texte der beliebten Usedom-Bildbände "Ein Jahr auf Usedom" und "Ein Jahr auf Usedom - Erinnerungen". Derzeit arbeite ich an einem Buch über meine Lieblingsplätze auf der Insel.

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