Das Warum der Gefühle

D

Wie fühlt sich das eigentlich an? Dieses Loslassen, das alle Welt als Weg zum Seelenfrieden präsentiert und das doch kaum jemand wirklich beherrscht. Weil wir Menschen sind und doch festhalten wollten, was uns vertraut geworden ist. Ich glaube, dass Loslassen eher Annehmen ist. Das Annehmen der Welt um uns herum und noch vielmehr der Gefühle in uns. Thomas Mann sagte einst ‚Du sollst ein Mensch sein, sollst Dich dem Leben nicht entziehen, sondern es mitmachen, in allem was es mit sich bringt.‘ Das Leben will gelebt werden, genau wie unsere Gefühle. Sie bedürfen keiner Begründung. Sie wollen gefühlt werden, weil sie sind. Sie gehen mit dem Leben Hand in Hand, zeigen schonungslos auf unsere Schwächen und nähren unsere Leidenschaft.
Es ist an uns, sorgsam mit ihnen umzugehen. Jede Zelle mit ihnen zu füllen, wenn sie uns verwöhnen. Und sie gleichsam in den Arm zu nehmen, wenn sie uns quälen. Sie sind der einzige Fingerzeig auf dem Weg zu uns selbst.

Nur manchmal treffen sich Gefühl und Gefühl und passen so gar nicht zueinander. Rennen in verschiedene Richtungen und zerreißen uns fast, in genau dem Moment wo Seele und Herz aufeinandertreffen. Und die Seele in aller Deutlichkeit sagt: ‚Lauf so schnell und so weit Du kannst! Das hier tut Dir nicht gut.‘ Während das Herz seine heißen Arme um dich legt und leise flüstert: ‚Aber ich liebe doch!‘ Es ist die Weggabelung, an der wir uns entscheiden müssen. Und wohin auch immer unsere Schritte führen, erst einmal werden wir leiden. Und das Leben legt die schmerzvollsten Gefühle in unsere Welt. Dass wir sie annehmen …in der Gewissheit, dass sie so nicht wiederkehren, wir am Ende ein Stück unser selbst erkennen und manchmal beruhigend erfahren, dass auch der falsche Weg irgendwann wieder zu einer Gabelung führt.

Über die Autorin

Claudia Pautz

...lebt und arbeitet auf Usedom. Für das eigene Kreativbüro in Bansin schreibt sie Image- und Werbetexte und betreut zudem die Sozialen Netzwerke der Kaiserbäder. Aus ihrer Feder stammen neben den hier veröffentlichten Beiträgen auch die Texte der beliebten Usedom-Bildbände "Ein Jahr auf Usedom" und "Ein Jahr auf Usedom - Erinnerungen". Derzeit arbeitet sie an einem Buch über ihre Lieblingsplätze auf der Insel.

1 Kommentar

  • Die Bleistiftworte sollen wohl nicht die Übersetzung sein – oder? Ein Freund hat mir eine geschickt – die ist so wahnsinnig schön: Fliehe, kehre nicht zurück: es lohnt sich nicht, hinter dir gibt es nichts, alles soll noch kommen …

Kategorien

Claudia folgen

Neue Beiträge direkt ins eMail-Postfach.